4. Jahrgang Nr. 6 / 25. Juni 2004 - 6. Tamus 5764

Das Jüdische Museum Berlin bekommt eine „Laubhütte“

Anbau schafft mehr Platz für Ausstellungen und Veranstaltungen – „Shoah Foundation“ präsentiert Video-Aufzeichnungen

Das erfolgreiche Jüdische Museum in Berlin entwickelt sich inhaltlich und baulich weiter: Der Architekt Daniel Libeskind, dessen Entwurf für den Anbau an das Jüdische Museum in Berlin sowohl ihn als auch das Berliner Haus weltberühmt gemacht hat, plant nun einen Erweiterungsbau an das barocke Collegienhaus, den Altbau des Jüdischen Museums. Nach der Vorstellung des amerikanischen Baumeisters wird der 600 Quadratmeter große Hof des Altbaus überdacht: Mit einer Glaswand und einem Dach, das von vier hölzernen Stützen getragen wird, die den Eindruck von Baumstämmen entstehen lassen– Vorlage für den Entwurf ist eine „Sukka“, in die die Juden zum Laubhüttenfest einziehen, um daran zu erinnern, dass Gott das jüdische Volk in Hütten wohnen ließ, als er es aus Ägypten herausführte. Für die Baukosten in Höhe von etwa zehn Millionen Euro sollen Sponsoren aufkommen, die das Museum bereits teilweise gefunden hat. Die Arbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen. Der überdachte Hof soll unter anderem als Veranstaltungsraum an Privatleute vermietet werden, um zusätzliches Geld für das populäre Museum zu rekrutieren.

Außerdem gibt es ein neues inhaltliches Angebot : Im Jüdischen Museum können Besucher über 1000 Video-Interviews anschauen, die die „Shoah Foundation“ von Steven Spielbergs unter anderem mit deutschsprachigen Holocaust-Überlebenden geführt hat. Insgesamt hat Spielbergs Stiftung über 50.000 Video-Gespräche mit Zeitzeugen aufgezeichnet und in Los Angeles archiviert. Unter dem Eindruck seines weltweit erfolgreichen Films "Schindlers Liste" hatte der amerikanische Regisseur 1994 beschlossen, das gigantische Video-Archiv der „Stimmen der Letzten“ anzulegen. Er wollte und will damit die Schicksale der Überlebenden des Holocaust sammeln, archivieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Sein Ziel ist aber vor allem, eine Dokumentation zu schaffen, die überlebt und den kommenden Generationen hilft, Geschichte besser zu verstehen und auch daraus für die Zukunft zu lernen. Im Laufe der vergangenen zehn Jahre hat die "Survivors of the Shoah Visual History Foundation" weltweit in 56 Ländern und 32 Sprachen Interviews zusammengetragen. Die Gespräche dauern etwa zweieinhalb Stunden und sind weder geschnitten noch bearbeitet. Das Zeitzeugenarchiv entstand im Wettlauf mit der Zeit, denn die meisten der Befragten sind bereits alt und/oder krank. Vielen Betroffenen gaben die Aufzeichnungen erstmals Gelegenheit, über ihr Leben und über ihre schrecklichen Erinnerungen zu sprechen. Die deutschsprachigen Gesprächsaufzeichnungen und (Über-)Lebensberichte sind seit vergangenem Monat im Jüdischen Museum in Berlin öffentlich zugänglich.

Die derzeit im Jüdischen Museum gezeigte Ausstellung „10+5=Gott“ wird bis zum 1. August verlängert (täglich 10-20 Uhr, Montags bis 22 Uhr, Eintritt 4 Euro).
www.jmberlin.de/

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