7. Jahrgang Nr. 1 / 26. Januar 2007 - 7. Schwat 5767

Ort der Toleranz und Begegnung

Gemeinde Braunschweig weihte ihre neue Synagoge an historischem Ort ein

Von Heide Sobotka

Was für ein Tag!" Vor wenigen Wochen wurde die Synagoge in Braunschweig eingeweiht – nach 224 Tagen Bauzeit. Toll, großartig, einfach schön", lautet das Urteil der Gäste. Da machen Niedersachsens Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann, Oberbürgermeister Gert Hoffmann und die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchen keine Ausnahme. Und erst die Gemeindemitglieder selber. Liliana Goldstein und Jukhim Krasner, stellvertretende Gemeindevorsitzende, atmen tief durch, „großartig ist es geworden". Doch sie erzählen von all dem Staub und Dreck, der monatelang hier herrschte.

Die Gemeindevorsitzende Renate Wagner-Redding formuliert bei ihrer Eröffnungsrede den inzwischen berühmt gewordenen Einweihungssatz „Wer ein Haus baut, will bleiben" um: „Bleiben möchte ich, aber ein Haus bauen, nie wieder." Doch jetzt, wo die Synagoge fertig und gelungen ist, „soll sie ein Ort der Toleranz und Begegnung werden, an dem über Gott und die Welt geredet wird", wünscht sich die Gemeindevorsitzende.

„Sie bringen uns mit der neuen Synagoge ein Stück Identität zurück, Identität der Stadt Braunschweig und des gesamten Landes Niedersachsen", bedankt sich Niedersachsens Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann für die Einladung. „Sie haben mit dem Bau der Synagoge nicht nur Ihrer Gemeinde, sondern unserer Stadt etwas Gutes getan", wendet sich Oberbürgermeister Gert Hoffmann an den Gemeindevorstand. „Sie haben uns einen Vertrauensvorschuss gegeben, dem wir jetzt gerecht werden müssen."

Im Namen der Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch wünscht Direktoriumsmitglied Sara-Ruth Schumann der Braunschweiger Gemeinde für ihre neue Synagoge, „dass von diesem Haus das Wort hinausgeht in die Stadt und die gesamte Region". Gemeinderabbiner Jonah Sievers möchte die neue Synagoge mit religiösem Leben erfüllen: „Ich möchte, dass diese Synagoge auch ein Ort des fruchtbaren Streites wird", wünscht sich Sievers.

„Ich habe nicht geglaubt, dass die Synagoge soviel Raum, soviel Licht, soviel Klarheit haben würde", schaut sich der evangelische Landesbischof Friedrich Weber interessiert um. Ein solches Projekt zu vollenden, bedürfe der Geduld, Hoffnung und Gesprächsfähigkeit. Propst Reinhard Heine erinnert sich an anregende Gespräche im Hof der jüdischen Gemeinde, „den Sie jetzt für diesen wundervollen Bau hergegeben haben". Dem Architekten Klaus Zugermeier fällt es sichtbar schwer, sich von dem Bau zu trennen.

Der Bau war ein Kraftakt für die Braunschweiger Gemeinde, vor allem finanziell. Doch gebaut werden musste. Für die heute 200 Mitglieder war die Synagoge im Gemeindehaus in der Steinstraße 4 zu klein geworden. 600 000 Euro hat die Synagoge gekostet. 137 000 Euro gab die Stadt, 100 000 Euro der Jüdische Gemeindefonds Nordwestdeutschland, jeweils 30 000 Euro spendeten der Gemeindeaufbaufonds Ost- West des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen.

Die Hans-und-Helga-Eckensberger-Stiftung, der Vereinigte Kloster- und Studienfonds sowie die Aktion Mensch beteiligten sich an Sachwerten. Einen großen Betrag erbrachten Spenden von Kirchen und Firmen sowie der Richard-Borek-Stiftung. 84 000 Euro wurden durch den Verkauf der 1938 Bausteine gesammelt. Etwa 70 000 Euro zahlte die Gemeinde.

Im August 2004 entschloss sich die Gemeinde, einen Umbau zu riskieren. Viel Hilfe kam aus Oldenburg, nicht nur von dem Architekten Zugermeier und dem Synagogenchor, der bei der Einweihung auftrat. „Besonders die innenarchitektonischen Tipps habe ich Sara-Ruth Schumann zu verdanken", sagt Renate Wagner-Redding. Die Oldenburger Gemeindevorsitzende habe sie bei Design und Farbauswahl für die Bestuhlung, Aron HaKodesch und Bima beraten. Die Ausführung übernahm eine Kunsthandwerksfirma ebenfalls aus Oldenburg. Jetzt ist es geschafft. „Was für ein Tag!"

Aus Jüdische Allgemeine Nr. 50 vom 14.12.2006