6. Jahrgang Nr. 12 / 15. Dezember 2006 - 24. Kislew 5767

Bahn signalisiert Grünes Licht

Streit beigelegt: Deutsche Bundesbahn und Verkehrsminister wollen Ausstellung über Deportation zeigen

Nach einer mehr als zweijährigen Auseinandersetzung hat Deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn nun einer öffentlichen Ausstellung über die Deportationen von Juden mit der Reichsbahn während des Nationalsozialismus zugestimmt. Am 27. Januar 2008 soll die Wanderausstellung eröffnet werden, in deren Mittelpunkt das unermessliche Leid der deportierten jüdischen Kinder stehen soll.

In die Ausstellung einfließen sollen auch jene Fotos, Briefe und Dokumente der elftausend jüdischen Kinder, deren Schicksale Beate und Serge Klarsfeld von der Initiative "Söhne und Töchter der deportierten Juden Frankreichs" recherchiert und bereits erfolgreich in französischen Bahnhöfen gezeigt haben. Bahnchef Mehdorn hatte sich gegenüber der Klarsfeld-Initiative bislang stets hartleibig gezeigt und wollte eine Konfrontation der Bahnreisenden nach dem Motto "Shock and go" vermeiden. Beate Klarsfeld hatte Mehdorn ihrerseits "fehlendes Verantwortungsgefühl" bescheinigt. Bahn-Konzernsprecher Oliver Schumacher spricht nun von "einer guten Lösung".

Nachdem sich Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bereits im Frühjahr in einem persönlichen Brief an Mehdorn gewandt hatte, die Ausstellung doch zu zeigen, drohte nun ein parlamentarisches Verfahren in dem Konflikt. Diesem „Eklat" ist der Bahn-Chef mit seinem Einlenken schließlich zuvor gekommen.

Beim Zentralrat der Juden in Deutschland ist man erleichtert, dass der quälende Streit ein Ende hat. Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats, sagte, die Einigung sei "ein erster und wichtiger Schritt auf dem Weg der Realisierung des Projekts".

"Wie wir schon bei der Dresdner Bank gesehen haben, ist noch viel Überzeugungsarbeit bei den Vorständen zu leisten, um sich mit der eigenen Firmengeschichte offensiv auseinander zu setzen. Diese positiven Beispiele – die Bank und die Bahn – haben nun hoffentlich Signalwirkung", sagt Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats.

Beate Klarsfeld indes betont ihre Bereitschaft, ihr gesammeltes Material beizusteuern. "Darüber hinaus sind wir auch gerne bereit, die Ausstellung zu begleiten, falls Zeitzeugengespräche und Diskussionen erwünscht sind." Zur Konzeptionierung der Ausstellung schlug die "Initiative Elftausend Kinder" ein Ausstellungskuratorium unter führender Mitwirkung der Klarsfeld-Organisation vor.
UvS