4. Jahrgang Nr. 6 / 25. Juni 2004 - 6. Tamus 5764

Jurist gibt nicht auf

Erfolgsbilanz: Alexander Mazo hat die Integration mit Hilfe des Fortbildungsprogramms der Otto-Benecke-Stiftung e.V. geschafft

Was macht ein 49-jähriger jüdischer Jurist aus Taschkent, der nach Augsburg kommt, die Sprache nicht beherrscht und erst dort anfängt Deutsch zu lernen? Resignieren? Falsch! Zumindest auf Alexander Mazo trifft das nicht zu. Als er vor zwei Jahren kam, ließ er sein in der Sowjetunion erworbenes Diplom anerkennen, dann „stürzte“ er sich regelrecht ins Erlernen der Sprache: „Im Gegensatz zu meiner Frau, die von Beruf Philologin ist, bin ich sprachlich überhaupt nicht begabt. Aber wir hatten Glück mit den Lehrern in unserem sechsmonatigen Sprachkurs. Obwohl das kein spezieller Kurs für Akademiker war, hatte er doch ein hohes Niveau. Das für meinen Beruf relevante Vokabular musste ich dann aber selbstverständlich allein zu Hause erlernen.“ Und seine Kenntnisse im „Juristen-Deutsch“ durfte Alexander bald darauf einsetzen: Im Frühjahr konnte er an einem mehrtägigen Seminar über Rechtskunde in Berlin teilnehmen, das vom Zentralrat der Juden organisiert wurde.

Der Jurist, der sich jahrelang mit sowjetischem und später usbekischem Strafrecht beschäftigt hat, war vor allem von einer Gerichtsverhandlung über einen mutmaßlichen Rechtsextremisten fasziniert, außerdem war er sehr angetan von den Ausführungen des jüdischen Berliner Rechtsanwalts Natan Gilbert. Alexander Mazo ist besonders den Veranstaltern des „exklusiven“, aber für die Teilnehmer kostenlosen Lehrgangs dankbar. Das heißt aber nicht etwa, dass er selbst nicht aktiv ist. Ihm gelang etwas, was mancher Beamter im Arbeitsamt als unrealistisch einstufen würde: ein Praktikum in einer privaten Anwaltskanzlei. Der Anstoß kam von der Otto-Benecke-Stiftung, die ein dreistufiges Programm für Juristen mit ausländischem Diplom und Berufserfahrung angeboten hat: Die Stiftung sorgt für den ersten Schritt, nämlich die Einführung in das deutsche Recht, und den letzten Schritt, die Auswertung der Ergebnisse. Das Kernstück soll „praktisches Üben“, „Learning by doing“ sein, wobei die Teilnehmer ihren Praktikumsplatz selbst finden müssen. Alexander fasste Mut, ging einfach in eine mittelgroße privat geführte Anwaltskanzlei und – nach einer eineinhalbstündigen Unterredung – hatte er seinen Praktikumsplatz.

Der Leiter der Kanzlei war von seinem „betagten“ Praktikanten sehr überzeugt und empfahl ihm, unbedingt ein zweijähriges Aufbaustudium, das für die Arbeit als Rechtsanwalt notwendig wäre, zu machen. Dieser freut sich zwar über die ersten Erfolge, verliert aber nicht den Boden unter den Füßen und will Schritt für Schritt zum Ziel kommen: „Ich will hier in meinem Beruf arbeiten“. Und wenn er seinen Weg weiter mit diesem Engagement und in diesem Tempo beschreitet, wird er dieses hochgesteckte Ziel mit Sicherheit bald erreichen.

IL