6. Jahrgang Nr. 11 / 24. November 2006 - 3. Kislew 5767

Kulturtage mit Tradition

Jubiläum: Zum 20. Mal verwöhnt die Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition das Münchener Publikum mit einem spannenden Programm

Von Irina Leytus

Gleich zu Beginn der diesjährigen Kulturtage in München fand am 18. November ein Konzert der Extra-Klasse statt: Joshua Nelson, der afroamerikanisch-jüdische Kantor aus den USA begeisterte das Publikum mit seiner hinreisenden Stimme und seinen ndividuell interpretierten jüdischen Liedern. Dieser begnadete Sänger und Pianist präsentiert für manch Außenstehende ein ungewöhnliches Bild von einem frommen Juden: prachtvolle Kleider, hübsch bestrickte Kipa, dynamische Gestik und Körpersprache.

Überhaupt zeichnete die musikalische Vielfalt die Jüdische Kulturtage auch in diesem Jahr aus: Neben „Koscher-Gospel" von Jeshua Nelson gab es zwei Klezmer-Konzerte sowie sefardische Musik aus dem spanischen Mittelalter. Das Konzert von „Musica Antigua de Espaňa" wurde in Kooperation mit dem Instituto Cervantes veranstaltet. Im Mittelpunkt stand die musikalische Interpretation eines Besuchs bei dem großen jüdischen Gelehrten und Philosophen Maimonides in seiner andalusischen Heimat, wo im 12. Jahrhundert eine intellektuelle Symbiose aus jüdischer, muslimischer und christlicher Kultur existierte.

Darüber hinaus bot das Programm eine intensive intellektuelle Auseinandersetzung mit Jüdischem in einer nichtjüdischen Umgebung. In der begleitenden Vortrags- und Diskussionsreihe wurde die Geschichte von Juden in Bayern in seinen zahlreichen Facetten beleuchtet: Professor Stefan Rohrbacher referierte über die Unterschiede von Stadt- und Landjudentum, Professor Michael Brenner und Doktor Edith Raim beschäftigten sich mit dem Jüdischen Leben in Bayern im 20. Jahrhundert und den Jahren des Nationalsozialismus. Um jüdisches Leben im heutigen Bayern ging es an zwei weiteren Abenden: Zum einen wurde der Film von Richard Chaim Schneider präsentiert, der sich mit dieser Frage beschäftigt, zum anderen gab es eine Diskussion mit Lena Gorelik, der aus Russland stammenden jungen deutschsprachigen Autorin, unter dem Motto „Gibt es ein neues bayerisches Judentum?".

Neben den jährlich stattfindenden Kulturtagen realisiert die „Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition" umfangreiche Dokumentationsausstellungen, die, begleitet von informativen Rahmenprogrammen, einen großen Beitrag zur Erforschung und Vermittlung der jüdischen Geschichte leisten.

Die Gesellschaft wurde vor 25 Jahren auf Initiative von Dr. Simon Snopkowski s.A. Gegründet. Und somit ist es nur natürlich, dass der Preis den die Gesellschaft alle zwei Jahre für Forschungsarbeiten über jüdische Geschichte vergibt, seinen Namen trägt. In diesem Jahr ginge der Preis, den die Vorsitzende der Gesellschaft Ilse Ruth Snopkowski, Witwe von Simon Snopkowski, am 9. Oktober in Anwesenheit vom Bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber verliehen hat, zum ersten Mal an drei Schulen für ihre erfolgreichen Schüler-Projekte zu jüdischen Themen.

Infos zur Gesellschaft und den Kulturtagen:
www.juedischekulturmuenchen.de