6. Jahrgang Nr. 11 / 24. November 2006 - 3. Kislew 5767

Ehrung für einen echten Freund

Zentralrat der Juden würdigt den Münchener Verleger Hubert Burda mit dem Leo-Baeck-Preis für seineEngagement für die jüdische Gemeinschaft

Die lange Liste der Leo-Baeck-Preisträger ist um einen prominenten Namen reicher. Anfang des Monats wurde der Münchener Verleger Hubert Burda mit der Auszeichnung geehrt, die der Zentralrat der Juden in Deutschland jedes Jahr vergibt und die an den bedeutenden jüdischen Wissenschaftler, Gelehrten und Rabbiner Leo Baeck, der am 2. November vor 50 Jahren gestorben ist, erinnert. Gewürdigt wird damit der persönliche Einsatz für Toleranz und für das friedliche Miteinander von Religionen und Kulturen.

Der 66-jährige Burda hat nie Zweifel daran gelassen, dass jüdisches Denken, Fühlen und Wissen ein fester Bestandteil der deutschen Kulturgeschichte ist. Als "Pate für Toleranz und Aussöhnung" stehe Burda für das friedliche Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Religionsgemeinschaften.

Burda sei eine Persönlichkeit, die sich vielfältig engagiere, sagte Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch im Berliner Hotel Adlon vor zahlreichen prominenten Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Mit dem Münchener Verleger habe die jüdische Gemeinschaft einen verlässlichen Partner an ihrer Seite. „Sie haben bereits vor Jahren bewusst und überlegt die weit reichende Entscheidung getroffen, für Sie selbst wie für die anderen Menschen Brücken zu bauen zwischen der jüdischen und nicht-jüdischen Welt." Burdas Auszeichnung sei nicht zuletzt „ein Signal wider einer Gesellschaft des kollektiven Achselzuckens, der Gleichgültigkeit und des Wegschauens".

Professor Dr. Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats, hob in seiner Laudatio auf Hubert Burda dessen besondere Persönlichkeit hervor: „Es zählt zu seinen Eigenarten, dass er sich nie zu schade ist, Rat und Anregung von Dritten anzunehmen. Das Gespräch und der gedankliche Austausch mit seinem jeweiligen Gegenüber bilden eine Art Grundton im Leben Hubert Burdas." Korn würdigte auch, dass sich der Unternehmer seit Jahren um die Aussöhnung zwischen Deutschland und Israel bemühe. Korn verwies in diesem Zusammenhang unter anderem auf das der Ben-Gurion-Universität angegliederte „Hubert Burda Center for Innovative Communications", das 1999 gegründete Institut für neue Medien. Zudem unterstützte der Burda-Verlag gemeinsam mit Bertelsmann und Axel Springer die Shoah Foundation des amerikanischen Regisseurs Steven Spielberg, die dazu beiträgt, sich der Jahre des Entsetzens und des Verbrechens während der NS-Zeit richtig zu erinnern . Die Foundation hat eine CD-Rom mit Zeugnissen von Holocaust-Überlebenden erstellt, die an deutschen Schulen verteilt wurde. Für den Wiederaufbau des jüdischen Gemeindezentrums und der Synagoge in München spendete Burda eine Million Euro.

Professor Dr. Hubert Burda sprach in seiner Dankesrede von der Verantwortung, „das, was passiert ist, nicht zu vergessen". Er habe sich schon vor langer Zeit gesagt, dass es über das Schamgefühl und Verantwortungsbewusstsein seiner Generation hinaus etwas geben müsse. Der Preis bestärke ihn darin, sich weiterhin der Aufgabe zu widmen, sich für Soziales, Kultur und die deutsch-jüdische Verständigung zu engagieren.

Der promovierte Kunsthistoriker übernahm 1986 das Verlags- und Druckunternehmen, das seine Eltern Franz und Aenne Burda im badischen Offenburg gegründet hatten. Heute bietet Hubert Burda Media knapp 260 Zeitschriften und Magazine in 27 Ländern an, Online-Dienste, TV-Sendungen und Internet-Dienstleistungen.

Zu den bisherigen Leo-Baeck-Preisträgern, die sich in herausragender Weise für die jüdische Gemeinschaft eingesetzt haben, gehören unter anderem die früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, Roman Herzog und Johannes Rau, der ehemalige Außenminister Joschka Fischer und die Verlegerin Friede Springer.

Ch.B./zu

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Ich schätze mich glücklich, dass Sie mir in zahlreichen Gesprächen die „Welt ihrer Ideen" skizziert und vorgestellt haben. Es ist immer eindrucksvoll, wenn Sie von Ihren Begegnungen mit dem jüdischen Leben in der ganzen Welt berichten. Darauf aufbauend haben Sie bereits vor Jahren bewusst und überlegt die weit reichende Entscheidung getroffen, für Sie selbst wie für die anderen Menschen Brücken zu bauen zwischen der jüdischen und nicht-jüdischen Welt.

Charlotte Knobloch – Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland

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„Hubert Burda Media" steht für modernes, verantwortungsvolles Unternehmertum, das sich durch die Selbstverpflichtung zu gemeinnützigem Handeln auszeichnet. Die Initiativen, gesellschaftlichen Engagements und sozialen Projekte, die Hubert Burda ins Leben gerufen hat und unter dem Dach der Burda Stiftung betreuen lässt, sind Ausdruck dieser Haltung.

Professor Dr. Salomon Korn – Vize-Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

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Anlässlich dieses Preises ist es nahe liegend, dass wir uns als deutsche Nicht-Juden für die Generation unserer Eltern entschuldigen. Aber als Verleger, als ein Mann der Medien, dachte ich, es müsste noch eine andere Form geben, wie diese zwölf Jahre des Entsetzens und Verbrechens erinnerbar sein könnten.

Professor Dr. Hubert Burda - Verleger