6. Jahrgang Nr. 11 / 24. November 2006 - 3. Kislew 5767

«Schalom Europa» ist ein Symbol der Aussöhnung

Gemeinde Würzburg hat ein neues Gemeinde- und Kulturzentrum

Nach fünfjähriger Bauzeit hat die israelitische Kultusgemeinde in Würzburg vor wenigen Wochen ihr neues Gemeinde- und Kulturzentrum «Schalom Europa» eingeweiht. Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sprach bei der Eröffnung von einem «herausragenden Symbol deutsch-jüdischer Aussöhnung». Die durch Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion von 200 auf 1100 Mitglieder angewachsene israelitische Kultusgemeinde in Würzburg und Unterfranken habe mit dem Neubau ein zukunftsweisendes Zeichen des Vertrauens in die deutsche Demokratie gesetzt.

Für den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Würzburg und den Präsidenten des Landesverbandes der zwölf israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Josef Schuster, stellt der 11,7 Millionen-Euro teure Bau einen Höhepunkt in der 900-jährigen Geschichte Würzburger Juden und der 1300-jährigen Geschichte der Stadt dar. Der Würzburger Neubau wurde über den ältesten Zeugnissen jüdischen Lebens der fränkischen Mainmetropole errichtet, den so genannten Judensteinen aus dem Stadtteil Pleich. Die über 1500 Grabsteine und Grabsteinfragmente gelten als weltweit größter Fund aus einem mittelalterlichen jüdischen Friedhof.

Neben einem Gemeindesaal mit 400 Sitzplätzen, Seminarräumen und einem «Altenservice-Center» wurde auch eine Jugendtagungsstätte mit 90 Schlafplätzen eingerichtet. Sie entstand in Zusammenarbeit mit der Ronald S. Lauder Foundationen New York, die in Würzburg Schabbatprogramme und religiöse Fortbildungskurse anbieten will. Ebenfalls in den neuen Räumen untergebracht ist ein von der Lauder-Stiftung geförderter Informationsdienst. Das Epharim-Gustav-Hoenlein-Projekt hilft deutschstämmigen Juden beim Rekonstruieren ihrer Familiengeschichte.

Unterfranken hatte zeitweise die dichteste jüdische Besiedlung Deutschlands. Im 19. Jahrhundert, so Schuster, erlangte die «Würzburger Orthodoxie» mit ihrer vermittelnden Position im innerjüdischen Reformstreit weltweites Ansehen. Die später gegründete Israelitische Lehrerbildungsanstalt sei bis zur Schoah eine der führenden Einrichtungen ihr Art mit europäischer Ausstrahlung gewesen.

Die im orthodoxen Stil geführte jüdische Gemeinde Würzburg gilt als einzige Nordbayerns mit intakter traditioneller Infrastruktur. Rabbiner Jakov Ebert sorgt seit fünf Jahren dafür, dass die traditionellen Schabbatgottesdienste stattfinden und er wacht sorgfältig über die koschere Küche.

Von den Kosten für den Gebäudekomplex trägt der Freistaat Bayern 7,3 Millionen. Das Zentrum ist als Lernstätte für jüdische Kultur und Geschichte und zugleich als Begegnungs- und Erlebnisort für Juden und Nichtjuden konzipiert.

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