4. Jahrgang Nr. 6 / 25. Juni 2004 - 6. Tamus 5764

Aus für Zumthor-Entwurf

Ministerin hat entschieden: Neuanfang für Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“ in Berlin

In der unendlichen Geschichte für das geplante NS-Dokumentationszentrum «Topographie des Terrors» in Berlin ist ein neues Kapitel aufgeschlagen worden. Der Schweizer Architekt Peter Zumthor wurde ausgebootet und die Topographie-Stiftung ist über den Neubeginn nach einer zehnjährigen Hängepartie sichtlich erleichtert. Der Architekt versichert dagegen, es gebe keine Gründe, das Projekt in Frage zu stellen. Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos), die von einem «ungeliebten Kind» der Berliner Bauverwaltung sprach, und Berlins Kultursenator Thomas Flierl (PDS) haben vor einigen Wochen die Reißleine gezogen: Der anspruchsvolle, ebenso kostspielige wie komplizierte Zumthor-Entwurf mit einer filigranen Konstruktion mehrerer tausend Betonstäbe samt riesiger Glasfassade wurde nach elf Jahren endgültig zu den Akten gelegt. Gleichzeitig zog Weiss das Bauprojekt an sich.

«Planungskatastrophe» nannten es manche, die befürchteten, dass über einem der dunkelsten Orte der NS-Zeit in Berlin - den ehemaligen Zentralen von Gestapo und SS - wieder Gras wachsen würde. Früher war das Grundstück an der früheren Prinz-Albrecht-Straße neben dem einstigen NS-Luftfahrtministerium als Übungsgelände für Führerscheinbewerber genutzt worden. Immer wieder wurde der Versuch unternommen, das seit Jahren still liegende Neubauvorhaben wieder in Gang zu bringen, damit «diese historische Wunde in Berlin einen festen Platz im Gedächtnis aller Deutschen erhält», so die Ministerin.

Aber unklar blieb bis zuletzt, ob der Bau im abgesteckten Finanzrahmen von 38 Millionen Euro zu realisieren ist. Bund und Berlin wollen sich die Kosten teilen. Der Grundstein war am 8. Mai 1995 zum 50. Jahrestag des Kriegsendes gelegt worden. Danach kam es immer wieder zum Baustopp. Andreas Nachama von der Topographie-Stiftung war von Anfang an gegen den «selbstverliebten» Entwurf, weil der Bau «in seiner Massivität und damals schon erkennbaren mangelnden Funktionalität bis hin zur Besucherfeindlichkeit» schwere Fehler habe.

Angefangen hatte alles in den 80er Jahren, als sich eine Bürgerinitiative daran machte, die verschütteten Reste der Kellergefängnisse freizulegen. Die Initiative machte daraus ein provisorisches Ausstellungsgelände zur Dokumentation der NS- Verbrechen in Europa, die von dieser Stelle aus geplant worden waren.

dpa