6. Jahrgang Nr. 10 / 27. Oktober 2006 - 5. Cheschwan 5767

Jüdisches für Juden und Nichtjuden

Jede Menge Kultur in Berlin, Stuttgart und Dresden - fast gleichzeitig finden in diesem Herbst drei jüdische Kulturwochen statt

Irina Leytus

„Jüdisch – was ist das?" fragen sich die Veranstalter der jüdischen Kulturwochen in Stuttgart. So wie das Motto des Programms, so lautet auch der Titel der Eröffnungsveranstaltung am 13. November im Stuttgarter Rathaus. Antworten auf die schwierige Frage versuchen Rabbiner Eisenberg aus Wien, Dr. Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrats der Juden und der in Astrachan geborene Sergey Lagodinsky im Gespräch zu finden. Moderiert wird die Veranstaltung von der bekannten Fernsehrjournalistin Esther Schapira.

Nach dieser „theoretischen Runde" wird die Frage, was jüdisch sei, im Programm vielseitig beleuchtet. Musikalisch suchen ein polnisch-jüdischer Chor in der Musikhochschule am 14. November, Jazzmusiker im Cafe Merlin am 15. November und das Stuttgarter Kammerorchesters mit Werken moderner jüdischen Komponisten am 19. November in der Liederhalle nach Antworten. Zu den literarischen Höhepunkten zählen die Lesung von Dina Rubina aus Jerusalem, eine der beliebtesten russischsprachigen Schriftstellerin der Gegenwart, am 23. November im Gemeindehaus in russischer Sprache und Texte der berühmten hebräischsprachigen Autorin aus Israel, Zeruya Shalev, deren Texte auf Deutsch von Schauspielerin Maria Schrader am 21. November präsentiert werden. Außerdem mit dabei Lena Gorelik, die aus Russland stammt, aber auf Deutsch – klug und wirklich witzig - schreibt und die am 18. November mit eigenen Texten in der Stadtteilbücherei in Bad Cannstatt zu hören ist. Natürlich darf der jüdische Humor keinesfalls im Kontext „Was ist jüdisch" fehlen: Am 26. November tritt im Gemeindehaus Ernst Konarek auf und im Kinoprogramm im „Kommunalen Kino Stuttgart" dominieren humorvolle Streifen wie „Alles auf Zucker", „Alles ist erleuchtet" oder „Auf jüdischem Parkett".

Letzterer Film „spielt" auf dem Parkett im großen Festsaal im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Und damit wären wir bei den Jüdischen Kulturtagen in Berlin, die vom 22. Oktober bis zum 1. November stattfinden. Unter dem Motto „Jüdische Facetten" stehen in diesem Jahr deutlich weniger Veranstaltungen als im vergangenen Jahr auf dem Programm, gleichwohl sind sie alle absolut hochkarätig. Zu hören sind unter anderem das Orchester Bucovina Club (23.10), die israelische Sängerin Noa (26.10) oder die zur Zeit angesagteste Hip-Hop-Band Israels „Hadag" (1.11). Im Rahmen der Kulturtagen zeigt das Berliner Ensemble die beiden Lessing-Inszenierungen „Nathan der Weise" (24.10) und „Die Juden" (29.10). Schließlich gibt es am 29. Oktober das „Fest der Gemeinde" - eine Art offizieller Einweihung nach dem endgültigen Umzug der Gemeindezentrale in den Ostteil der Stadt.

Ganz und gar aufs Jiddische konzentrieren sich zahlreiche Veranstaltungen der „Jiddischen Musik- und Theaterwoche" in Dresden vom 26. Oktober bis zum 5. November.

Auf dem Programm zum Beispiel der jiddische Klassiker Scholem Alejchem mit seinem „Methusalem", dessen Berliner Inszenierung am 28.10 im Societaetstheater zu sehen ist. „Es war einmal ein Jiddischland" heißt eine Dokumentation über amerikanisch-jüdische Filme in den 20er und 30er Jahren (4.11. im „Thalia"). Und um ein „wahres" Yiddischland, ein jüdisch-autonomes Gebiet in Russlands, geht es bei dem Film „L'Chayim, Comrade Stalin!" (29.10 Thalia). Ein echter Leckerbissen wird der „Klezmer-Schwof" mit Tanz am 3.10 im Museum Hofmühle sein. Neben dem traditionellen Tag der offenen Tür (5.11) und einer Führung durch die neue Synagoge Dresden (29.10) gibt es in diesem Jahr außerdem die Möglichkeit am 27. Oktober an einem jüdischen Gottesdienst teilzunehmen.

Infos:
www.juedische-kulturtage.org
www.jiddische-woche-dresden.de