6. Jahrgang Nr. 10 / 27. Oktober 2006 - 5. Cheschwan 5767

Nachrichten

Sportgericht: Fußballspiel wird wiederholt

Das Sportgericht des Berliner Fußball-Verbands (BFV) hat den Verein VSG Altglienicke für die antisemitischen Beschimpfungen im Kreisligaspiel gegen TuS Makkabi II bestraft. Am 26. September waren die Spieler des jüdischen Vereins Makkabi beim Spiel gegen die zweite Mannschaft von Altglienicke von Zuschauern beleidigt und bedroht worden. Makkabi ging daraufhin in der 78. Minute beim Stand von 4:1 für Altglienicke vom Platz. Das Gericht beschloss, das Spiel neu anzusetzen. Außerdem muss VSG Altglienicke II die nächsten beiden Pflichtspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen; bis zum Ende der Saison 2007/08 müssen bei jedem Heimspiel der ersten oder zweiten Mannschaft fünf Ordner anwesend sein, die „rassistische Tendenzen" unterbinden sollen. Die 14 Spieler sowie die Trainerin und ein Betreuer aus Altglienicke sind verpflichtet, bis zum 15. Dezember an einem BFV-Seminar gegen Rassismus teilzunehmen. Ein Spieler von TuS Makkabi wird wegen Schiedsrichterbeleidigung für zwei Spiele gesperrt. Darüber hinaus sperrte das Sportgericht Schiedsrichter Klaus Brüning auf Lebzeiten. Brüning hatte ausgesagt, keine antisemitischen Parolen gehört zu haben.

Die Reaktion auf das Urteil des Sportgerichts ist geteilt. Während BFV-Präsident Bernd Schultz von einem „ausgewogenen Beschluss" spricht, ist der Makkabi-Berlin-Vorsitzende Tuvia Schlesinger nicht zufrieden: „Das Urteil reicht nicht aus, um ein Zeichen gegen Rassismus und Antisemitismus zu setzen." Zentralrats-Vize und Makkabi-Präsident-Frankfurt, Dieter Graumann bezeichnet das Urteil als »geradezu grotesk milde«. Es sei aber »nicht nur lächerlich, sondern brandgefährlich in seiner fatalen Signalwirkung, denn es verharmlost und bagatellisiert«.
dpa/zu

Prominente Unterstützung für die Wertheim-Erben

Im Streit um die Grundstücke, auf denen das Beisheim-Center am Potsdamer Platz steht, machen die Erben der jüdischen Kaufmannsfamilie Wertheim jetzt mehr Druck. Zusammen mit ihren Anwälten, dem Präsidenten der Jewish Claims Conference (JCC), dem Publizisten Henryk M. Broder und Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum forderte die Sprecherin der Erbengemeinschaft, die 73-jährige Barbara Principe, den Warenhauskonzern Karstadt-Quelle auf, seine Haltung zu überdenken: „Nicht einmal Karstadt selbst glaubt noch daran, diesen Prozess zu gewinnen." Anlass für die Verschärfung des Konflikts ist die Ankündigung von Karstadt, den Bescheid des Bundesvermögensamtes bis zur letzten Instanz zu bekämpfen. Darin steht, dass die JCC, somit die Wertheim-Erben, und nicht der Konzern Eigentümer der Grundstücke sind. Ergo hätte Karstadt sie auch nicht verkaufen dürfen. Sie gingen für 145 Millionen Euro an Otto Beisheim, der für 450 Millionen Euro das Beisheim-Center baute.
zu