6. Jahrgang Nr. 9 / 22. September 2006 - 29. Elul 5766

Eine Menora für Havanna

Erstes Holocaustdenkmal in der kubanischen Hauptstadt, Einweihung im Oktober – Grundsteinlegung für Mahnmal in Bukarest

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Kuba eine politische Umwälzung bevorsteht, da sich die Ära von Fidel Castro aus gesundheitlichen Gründen schon bald dem Ende nähern könnte. Ein kleiner Vorbote künstlerischer Art wird bereits im Oktober im Zentrum von Havanna eingeweiht: Eine bronzene, zweieinhalb Meter hohe Menora erinnert an die während des Naziterrors ermordeten Juden Europas. Entworfen wurde das Mahnmal von dem Bildhauer Yuri Matskin, der 1951 in Charkow/Ukraine geboren wurde und in den 80er Jahren nach Israel emigrierte. Die Form des Leuchters und das Material standen bereits fest als Matskin im vergangenen Jahr den Auftrag aus Kuba bekam. Das Mahnmal ist in Israel entstanden und wurde per Schiff von Matskins Atelier nach Kuba transportiert. „Kunst schafft Beziehungen, die mitunter stärker sind als die politischen" findet Matskin, der anlässlich der Einweihung seiner Menora zum ersten Mal auf die Karibikinsel fliegen wird.

Zur Einweihung werden Fidel Castro und Israel Lau, der Oberrabbiner von Tel Aviv erwartet. Lau wird seinen rabbinischen Segen aus dem Thorazitat, das in das Denkmal eingraviert worden ist, sprechen.

Zum ersten Mal seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und Israel kommen zu dieser Gelegenheit hochrangige Vertreter beider Länder zusammen. Havanna hatte 1973 die diplomatischen Kontakte zu Israel gekappt, aber in den letzten Jahren „Annäherungsversuche“ unternommen: Castro nahm Mitte der neunziger Jahre an einer Feier im Gemeindehaus Beth Schalom im Stadtteil Vedado von Havanna teil.

Die Idee, eine Skulptur aufstellen zu lassen, stammt von einer privaten Initiative: Der kubanische Stadthistoriker Eusebio Leal hatte im Rahmen der Restaurierung des historischen Stadtkerns von Havanna den Anstoß für die Errichtung der Skulptur gegeben. Er war mit dem (zwischenzeitlich verstorbenen) Präsidenten der jüdischen Gemeinde von Havanna, José Miller, befreundet.

Auch in Bukarest nehmen die Pläne in der Hauptstadt ein Holocaustdenkmal zu errichten, konkrete Formen an: Am 9. Oktober ist Grundsteinlegung für das Mahnmal, das an die 280 000 rumänischen Holocaust-Opfer erinnern soll. Entworfen wurde das neue Denkmal von dem rumänischstämmigen Künstler Peter Jacobi, der heute in der Nähe von Pforzheim lebt.

Kern des Projektentwurfs ist eine Skulptur in Form eines sieben Meter hohen, zehn Meter breiten und 15 Meter langen begehbaren Memorial-Gebäudes, zu dem außerdem eine Davidstern-Skulptur, Säulen und die skulpturale Darstellung eines Rades als Symbol für die von Angehörigen der rumänischen Armee verfolgten Roma gehört. Dieser Entwurf war bereits 1980 in Berlin bei einem Gedenkstätten-Wettbewerb für die Opfer der Naziverfolgung prämiert worden. Standort des Memorials ist ein etwa 50 mal 55 Meter großes Areal im Herzen der Hauptstadt.

um/dpa