6. Jahrgang Nr. 9 / 22. September 2006 - 29. Elul 5766

Die drei neuen Rabbiner

Der Biochemiker

Tomáš Kučera hat sein Studium der Biochemie in Tschechien und Deutschland mit Promotion abgeschlossen. Nach einem Forschungsaufenthalt in den USA ging er für zwei Jahre an das Pardes Institut in Jerusalem. 2002 wurde er am Abraham Geiger Kolleg angenommen und kam zum Wintersemester 2003/2004 nach Berlin. Seit den Hohen Feiertagen 2005 hatte er eine halbe Stelle in der Liberalen Jüdischen Gemeinde Beth Shalom in München inne. Zuvor war er bereits in den Gemeinden Göttingen, Hameln und Hannover tätig. Nach seiner Ordination arbeitet er als Gemeinderabbiner für die Liberale Jüdische Gemeinde Beth Shalom in München. Zunächst studierte Tomáš Ku č era zwei Jahre in Jerusalem am Pardes-Institut. Seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse halfen ihm auch beim Studium von Talmud und Tora. „Vielleicht ist es eine Sehnsucht nach Struktur", sagt der 1970 in Mähren geborene Kuč era. Sein Studium am Kolleg schloss er mit einer wissenschaftlichen Arbeit über Abtreibungen in jüdischen Quellen ab.

Der Südafrikaner

Malcolm Mattitiani absolvierte nach der Hochschulreife in Kapstadt das „Mechinah"-Programm an der Hebrew University in Jerusalem. An der Universität von Südafrika studierte er von 1993 bis 1996 Judaistik und Hebräisch. Sein Studium schloss er mit einem B.A. ab. Darauf folgte ein B.A. mit Auszeichnung in Hebräischer Bibel und „Dead Sea Scrolls" an der Universität von Kapstadt sowie der M.A. in Jüdischen Studien. Am Abraham Geiger Kolleg wurde er im Wintersemester 2001/2002 zugelassen. Seine Praktika absolvierte er in der Manchester Reform Synagogue (GB) sowie der Northwood & Pinner Liberal Synagogue (GB). Herr Mattitiani kehrte nach seiner Ordination als Rabbiner der liberalen „Temple of Israel"-Gemeinde Kapstadt in seine südafrikanische Heimat zurück. „In Südafrika habe ich bereits die Arbeit eines Rabbiners gemacht, mit einem erfahrenen Mentor an meiner Seite", sagt Mattitiani. Nach seiner Ordination wird er sich in Zukunft darum bemühen, seltene Synagogen- Besucher öfter zum Gottesdienst zu bewegen. „Wir haben in Südafrika – anders als in Deutschland – keine Herausforderungen mit Zuwanderern", sagt er. „Ich freue mich auf meine Arbeit und möchte auch in Zukunft noch weiterlernen."

Der Religionslehrer

Als sich Daniel Alter vor sechs Jahren für das Studium einschrieb, war sein Arbeitsvertrag als Religionslehrer an der Jüdischen Oberschule in Berlin gerade ausgelaufen. Alter hatte bereits Jüdische Studien an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg studiert und diese Ausbildung mit einem M.A. abgeschlossen. Sein Studium am Abraham Geiger Kolleg nahm er im Wintersemester 2001/2002 auf. Im Juni 2005 hat Herr Alter seinen obligatorischen Israelaufenthalt mit einem Studienjahr am Pardes Institut in Jerusalem beendet. Er machte seine ersten rabbinischen Erfahrungen als Student in den Jüdischen Gemeinden Delmenhorst und Oldenburg. Seit seiner Ordination ist er Gemeinderabbiner in Oldenburg. „Ich bin sehr froh, dass die Gemeinde wieder rabbinisch versorgt wird", sagt Sara-Ruth Schumann, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Oldenburg. „Es ist wichtig, dass wir beim Aufbau begleiten werden."