6. Jahrgang Nr. 8 / 25. August 2006 - 1. Elul 5766

Nachrichten

Warnung vor überzogener Grass-Kritik

Das lange Schweigen von Literaturnobelpreisträger Günter Grass über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS sorgte in der nationalen und internationalen Öffentlichkeit in den vergangenen Wochen für heftige Reaktionen. Der geschätzte Autor hatte offenbart, dass er im Zweiten Weltkrieg als Jugendlicher Mitglied der Waffen-SS gewesen war. Sein Erinnerungsbuch, in dem er seine Kindheit in Danzig, Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft sowie seine Anfänge als Künstler im Nachkriegsdeutschland schildert, erscheint jetzt unter dem Titel «Beim Häuten der Zwiebel». Vor überzogener Kritik an Günter Grass hat der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann, gewarnt: „Wenn er für die Demokratie, für Toleranz, für die Versöhnung mit Polen eintrat, dann bleibt das immerwährend richtig." Dennoch gab er zu bedenken, dass Grass mit seinem einfachen Verschweigen ein Stück Doppelmoral praktiziert habe. Die Person Grass sei moralisch ein Stück entwertet. Der Zentralrats-Vize fügte hinzu: "Es ist ein Mensch in seinen Widersprüchen: ein großer Autor mit zu kleiner Courage, großartig und kleinmütig zugleich - das tut weh." Graumann nahm die Tatsache, dass Grass als 17-Jähriger in der Waffen-SS diente, ausdrücklich von Kritik aus: "Ich würde ihm heute nicht vorwerfen, was er als 17-Jähriger dachte, weil er verblendet war. Schließlich hat er sich in keiner Weise an Kriegsverbrechen beteiligt."
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NS-Archiv Arolsen wird geöffnet

Mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird das weltweit größte NS-Archiv im nordhessischen Bad Arolsen für Forscher geöffnet. Mit der Unterzeichnung eines Protokolls brachten Vertreter von acht Staaten jetzt den weitgehenden Zugang zu den Daten des Suchdienstes des Internationalen Roten Kreuzes auf den Weg. Der Bestand enthält 50 Millionen Akten mit Hinweisen auf 17,5 Millionen Häftlinge, Zwangsarbeiter und Vertriebene. Zahlreiche Forscher hatten jahrelang vergeblich Zugang zu den Ordnern verlangt. Der Suchdienst nannte stets Datenschutz und drängende Arbeit als Gründe für seine Verschlossenheit.
dpa

Deutsch-Israelische Gesellschaft hat neuen Vorstand

Zum neuen Vorsitzenden der Deutsch-Israelische Gesellschaft ist Franz-Hellmut Schürholz, ehemaliger Präsident des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, gewählt worden. Neue Stellvertretende Vorsitzende sind der Landtagsabgeordnete Stephan Braun aus Sindelfingen und der Stuttgarter Arzt Dr. Benjamin Gronwald. Außerdem gehören dem von den DIG-Mitgliedern Ende Juli neugewählten Vorstand Sigrid Warscher, Bärbel Illi, Meinhard Tenné und Lothar Galow-Bergemann an.
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