4. Jahrgang Nr. 5 / 19. Mai 2004 - 28. Ijar 5764

Single-Sein Adé

„Speed Dating“ oder Heiratsvermittlung auf die Schnelle setzt sich durch

„In Deutschland gibt es zu wenig Juden, besonders jüngere. Deshalb ist es fast unmöglich, einen jüdischen Partner zu finden“, sagen die einen. „Ich habe weder Geld noch Lust, mich an professionelle Heiratsvermittler zu wenden“, sagen die anderen und haben allem Anschein nach die Hoffnung aufgegeben, rein zufällig einen jüdischen Partner kennen zu lernen. Nichtsdestotrotz haben zwei junge Damen ihren mutigen Worten Taten folgen lassen: Irina Hencker und Galina Kurilovich organisieren seit Herbst äußerst erfolgreich eine jüdische Partner-Vermittlung. Und zwar keine herkömmliche, sondern eine „beschleunigte“: An einem Abend kann man bis zu sieben Vertreter des anderen Geschlechtes aber gleicher Herkunft kennen lernen.

Wie läuft das konkret, wie sind die „Spielregeln“? Alle Teilnehmer – sieben Damen und sieben Herren – bekommen ein Namensschild und eine Nummer. Jede der sieben Damen sitzt an einem Tisch und die sieben Herren „besuchen“ die Ladies der Reihe nach, unterhalten sich mit ihr in einem vorgegebenen Zeitrahmen - maximal sieben Minuten. Natürlich reichen sieben Minuten nicht aus, um festzustellen, ob der Gesprächspartner ein Partner fürs Leben sein könnte. Das ist auch nicht das Ziel. Statt dessen geht es zunächst um die simple Frage: „Möchten Sie die Bekanntschaft mit dieser Dame, diesem Herrn fortsetzen?“ Die entsprechenden Antworten werden am Ende auf der Karte des Teilnehmers eingetragen. Wenn der Wunsch, sich wieder zu sehen, übereinstimmt, übermitteln die Veranstalter zwei Tage später die Kontaktinfos an die jeweiligen Interessenten.

Die Speed-Dating-Idee hat Rabbiner Jakob Deyo aus Los Angeles 1999 entwickelt, obwohl in der Kalifornischen Metropole wahrlich kein Mangel an jungen, heiratswilligen jüdischen Menschen herrscht. Aber auch Rav Deyo ist mit dem Problem der wachsenden Anzahl von Mischehen konfrontiert. Ohne Frage hat der Amerikaner eine Marktlücke entdeckt, denn inzwischen haben bereits drei nicht-jüdische Heiratsagenturen aus Deutschland diese Idee übernommen. Jüdische Organisationen sind hingegen erst im Oktober letzten Jahres auf den Heirats-Zug gesprungen. Und das lief so: Galina Kurilovich nahm an einem „original“ Speed Dating in Los Angeles teil, war begeistert und konnte schließlich ihre Freundin Irina für die Idee begeistern.

Das Projekt stand von Anfang an unter einem guten Stern: Die erste Veranstaltung in Berlin fand just in der Woche statt, in der die Parascha „Bereshit“ gelesen wurde: „Und Gott, der Ewige, sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“. Ob wegen des wegweisenden „Segens“, wegen des riesigen „Bedarfs“ oder der äußerst sorgfältigen Vorbereitung: Alle bisherigen Speed-Dating-Abende – mittlerweile waren es bereits vier – haben die kühnsten Erwartungen übertroffen, waren ein Erfolg. Und die Bilanz? 49 gelungene Vermittlungen.

Informationen und Preise unter: www.jeurope.net

I.L.