6. Jahrgang Nr. 7 / 27. Juli 2006 - 2. Aw 5766

Die ganz andere Erfahrung

Treffpunkt für junge jüdische Singles – „Different Experience" hilft bei der Kontaktaufnahme

Von Irina Leytus

„Ein Mensch soll nicht allein sein" sagen unsere Weisen in Anlehnung an die Tora. Deshalb ist in streng religiösen Familien ein Schiduch gang und gäbe. Die Vermittler, die Schiduchim, machen den Familien Vorschläge, welche jungen Leute - aus ihrer Sicht - gut zueinander passen würden. Die so „Zusammengeführten" begegnen sich dann das erste Mal und können selbst entscheiden, ob sie heiraten wollen oder nicht. Aber der entscheidende erste Schritt ist für sie „organisiert". Ein Procedere, das für weniger traditionell lebende junge Juden undenkbar ist: Man möchte sich nicht auf den einen Heiratskandidaten reduzieren lassen, sich vielmehr auf dem Heiratsmarkt „anbieten".

Und da hilft „Different Experience" (eine andere Erfahrung), ein neues Angebot für diese Interessentengruppe: 25- bis 45-Jährige jüdische Europäer treffen sich zu einem verlängerten Wochenende in einer größeren Stadt in Europa, machen gemeinsam Sightseeing, besuchen Seminare mit jüdischem Inhalt und lernen sich - ganz nebenbei - näher kennen. Das Geheimnis des neuen Programms liegt in dem „neutralen" Rahmen, denn: Die meisten wollen gar nicht zugeben, dass sie einen Partner suchen - aber wenn das rein „zufällig" passiert - umso besser. Und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm...

Das Angebot gibt es bereits seit fünf Jahren. Die Treffen fanden bisher in München, Düsseldorf, Zürich und Prag statt. Im Juli kamen die jungen jüdischen Singles in die WM Hauptstadt – nach Berlin. Das Programm war dicht gedrängt: In den vier Tagen gab es Besichtigungen und Museumsbesuche, es wurde zusammen Schabbat gefeiert und nach Schabbat-Ende bis spät in die Nacht getanzt, in den Diskussions-Foren wurde übe r Kabbalah und Gedankenlesen gesprochen. Steven, ein Juwelier aus London, hat zwar keine Partnerin gefunden, sich dafür aber in Berlin verliebt: „Das ist eine wahre Alternative für mein geliebtes London". Jenni aus der Schweiz kichert bei der Frage nach ihrer „Bilanz": Ja, sie habe einen süßen jüdischen Jungen kenngelernt und ist gespannt, ob und wie sich die Sache entwickelt. „Jedenfalls bin ich froh, Berlin gesehen zu haben und bin überrascht, wie das jüdische Leben hier brummt". Buchstäblich im letzten Moment funkte es bei der Abschlussparty zwischen einer 40-jährigen Berlinerin und einem gleichaltrigen Londoner. Er lacht: „Ich hoffe bald wieder nach Berlin zu kommen". Infos auf: www.different-experience.org/ .