6. Jahrgang Nr. 7 / 27. Juli 2006 - 2. Aw 5766

Chronischer Geldmangel

Zentralrat: Bund und Länder müssen Gemeinden finanziell stärker unterstützen

Der Zentralrat der Juden hält alle jüdischen Gemeinden in Deutschland für chronisch unterfinanziert und fordert die Unterstützung des Bundes und der Länder, um für seine Mitglieder – inzwischen 102 jüdische Gemeinden – eine bessere finanzielle Basis zu schaffen, damit diese die Interessen ihrer Gemeindemitglieder auch umsetzen können. „Der Zentralrat besteht darauf, dass die Leistungen aus dem Staatsvertrag sehr bald sehr deutlich den Gegebenheiten angepasst werden", fordert Zentralrats- Vizepräsident Dieter Graumann und begründete die Forderung damit, dass die Aufgaben der jüdischen Gemeinden in den vergangenen Jahren „überproportional gewachsen, ja nahezu explodiert sind". „Das Geld ist nötig, um mit den Zuwanderern aus der Ex-Sowjetunion, eine ganz neue jüdische Gemeinschaft aufzubauen, die dynamischer, lebendiger und vielfältiger sein wird. Denn wir haben ganz bestimmt nicht zu viele Zuwanderer, wohl aber zu wenig Geld, um sie so intensiv zu betreuen, wie wir das wollen und wie sie es verdient haben."

Auch die Präsidentin, Charlotte Knobloch, hatte nach ihrer Wahl im Juni angemahnt, die bestehenden Staatsverträge zu überprüfen. In diesen Verträgen verpflichten sich Bund und Länder, bei der Erhaltung und Pflege des deutsch- jüdischen Kulturerbes, beim Aufbau einer jüdischen Gemeinschaft sowie bei integrationspolitischen und sozialen Aufgaben zu helfen. Knobloch sagte, mit jedem Zuwanderer erhöhten sich auch die finanziellen Aufwendungen - beispielsweise bei der Förderung von Sprachkursen. "Staatsverträge haben eine gewisse Laufzeit, da sich in dieser Zeit aber vieles ändern kann, darf die Unterstützung von Bund, Ländern und Kommunen nicht zurückgefahren werden", so Knobloch.

„Deutsche Politiker, die gelegentlich genervt auf die Wünsche jüdischer Vertreter reagieren, sollten berücksichtigen, dass der brutale, verbrecherische Raubzug der Nationalsozialisten dazu geführt hat, dass das gesamte jüdische Eigentum in Deutschland fast vollständig verloren gegangen ist", so der Zentralrats-Vize. Es gehe "nicht ums Schnorren", betonte Graumann, e s geht um moralische Grundsatzfragen, die deutsche Politik, auf allen Ebenen, immer wieder zu beantworten hat: Soll jüdisches Leben in Deutschland wieder eine kraftvolle und lebensfähige Basis erhalten und behalten? Sollen die Gemeinden im Land wieder eine Chance bekommen, leben und überleben zu können? Soll die jüdische Gemeinschaft die Mittel erhalten, um die große, unendlich wertvolle Chance der Zuwanderung wirklich nutzen und auch langfristig zu einer andauernden Erfolgsstory machen zu können?

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