6. Jahrgang Nr. 6 / 30. Juni 2006 - 4. Tamus 5766

Knapp und präzise

Dr. Dieter Graumann ist der neue Vize-Präsident

Fünf Minuten. Mehr braucht Dieter Graumann nicht, wenn er über sein Leben Auskunft geben soll. Der neue Vizepräsident des Zentralrats hat zwar eine Menge zu erzählen. Doch redegewandt bedeutet bei dem 55jährigen eben nicht redselig. Er mag es knapp und präzise. Das wichtigste in Kürze: Geboren 1950 in Israel. Mit anderthalb Jahren nach Deutschland gekommen. Schule, Abitur und Studium der Volkswirtschaftslehre in Frankfurt/Main. Graumann betreibt heute eine Liegenschaftsverwaltung. Verheiratet, zwei Kinder. Für diese Art tabellarischen Lebenslauf braucht Dieter Graumann gut eine Minute. Die nächste Minute gehört den vielen Ehrenämtern. In der Frankfurter Gemeinde engagiert er sich seit elf Jahren. Im Vorstand ist Graumann heute zuständig für Schulen, Kultur und Finanzen. Und noch etwas würde der passionierte Sportler nie vergessen zu erwähnen: Makkabi Frankfurt. Seit vielen Jahren ist er Deutschland-Präsident. Die nächsten drei Minuten gehören dem Zentralrat.

Dass das weite Feld der Politik und des jüdischen Lebens in Deutschland so viel Platz einnimmt, kommt nicht von ungefähr. Graumann ist ein politischer Kopf, der klar Stellung bezieht. Das und eine große Portion Verhandlungsgeschick haben Graumann im Zentralrat in den vergangenen sieben Jahren ganz weit nach vorne gebracht – seit 2001 ist er Mitglied des Präsidiums. Immer wieder übertrug man ihm heikle Missionen: Verhandlungen mit der Union Progressiver Juden, Gespräche mit der Bundesregierung über die Zuwanderung. Und nun: Vizepräsident des Zentralrats.

Graumann will kein Blatt vor den Mund nehmen beim Kampf gegen Antisemitismus, Islamismus und Rechtsradikalismus, beim offensiven Umgang mit dem Judentum. „Wir müssen uns darauf besinnen, was wir sind," fordert er. Es gehe darum, positive jüdische Werte in den Vordergrund zu stellen. Das ist ihm wichtig, „sonst wissen wir nur noch, wogegen wir sind, aber nicht mehr, wofür."

Aus Jüdische Allgemeine Nr. 23 vom 8.6.2006