6. Jahrgang Nr. 6 / 30. Juni 2006 - 4. Tamus 5766

Ein klares Nein

Prof. Dr. Salomon Korn bleibt Vize-Präsident

Salomon Korn hat viele Talente - er kann schreiben, gut erzählen, schöne Häuser entwerfen. Eines aber hat er nie so richtig hingekriegt: Nein zu sagen und sich der Pflicht verweigern. Diesmal aber, so scheint es, hat er es geschafft. Korn wollte nicht Präsident des Zentralrats werden. Er ließ Charlotte Knobloch den Vortritt. Auch wenn viele das bedauern, hier hat sich einer für sich selbst entschieden - gegen ein Amt, das er nie haben wollte. Dabei ist Salomon Korn kein Mensch, der nicht weiß, was von ihm erwartet wird. Dieser lebhafte Herr, aus dem die Geschichten nur so herauspurzeln können, hat einen guten Teil seines Lebens in Amt und Würden verbracht und im Dienst einer Gemeinschaft, der er sich tief verpflichtet fühlt: Seit 1999 ist er Chef der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main, seit 2003 Vizepräsident des Zentralrats und ein intellektueller Autor, der scharfe Debatten anfachen kann.

Korn lebt mittendrin in der Frankfurter Bürgergesellschaft, in die ihn der Krieg hineingespült hat. Salomon Korn stammt aus einer polnischen Rabbinerfamilie, sein Vater war ein orthodoxer Gelehrter, der nach dem Krieg aus Not und eher widerwillig ins Frankfurter Immobiliengeschäft einstieg. Sein ältester Sohn, Salomon, studierte Architektur und Soziologie, ging lieber ins Kino oder Theater als ins Büro – und fügte sich am Ende doch: Erst dem Vater, in dessen Geschäft er einstieg, dann der Gemeinde und dem Zentralrat. Korn hat bei der Beerdigung von Paul Spiegel sel. A. viel von seinem Mentor Ignatz Bubis gesprochen. Der hatte kurz vor seinem Tod 1999 resigniert und ein bitteres Fazit gezogen. Jetzt hat Salomon Korn Nein gesagt - zum ersten Mal.

Aus Jüdische Allgemeine Nr. 23 vom 8.6.06